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Drei Fragen, drei Antworten

Im Anschluss an die Predigt vom letzten Sonntag kamen über die Fragenlampe drei Fragen rein. Ich hab versprochen, sie im Laufe der Woche zu beantworten. Hier also mein Versuch:

1. Warum wird/wurde die Offenbarung dann so oft auf die Zeit später gedeutet, wenn sie wirklich nur für die Zeit damals gemeint war?

In der Predigt habe ich betont, wie wichtig es für das Verständnis der Offenbarung ist, sie auf dem Hintergrund der damaligen Zeit zu verstehen. Dass man diesen Auslegungsgrundsatz oft missachtet und die Texte relativ direkt auf heute (oder morgen) bezieht, mag mit einem bestimmten Bibelverständnis zu tun haben, das mit Zeitbezogenheit auch sonst wenig anfangen kann. Es ist ja auch viel spannender, wenn uns dieses Buch voraussagen könnte, wie es mit der Welt in den nächsten 20 Jahren weitergeht. Wir Menschen lieben es ja auch, anderen mit Spezialwissen (über einen eventuellen Zukunftsfahrplan) etwas voraus zu haben.
Auf der anderen Seite wäre es ein Missverständnis, zu sagen, die Offenbarung sei nur für die Zeit damals gemeint gewesen. Das war sie zunächst – und dennoch spricht sie auch zu uns. Sonst wäre sie heute ja nur von rein historischem Interesse und für ein paar Religionsforscher lesenswert. Ich denke schon, dass sie in unsere Zeit spricht – nur halt vielleicht auf etwas andere Weise.

2. Gott eilt aus der Zukunft heran – was heißt das konkret? Ist er schon angekommen? Wenn nein, geht dann nicht Trost verloren, weil er seine Verheissung bis heute nicht wahr gemacht hat?

Das ist in der Tat eine schwerwiegende Frage. Eigentlich ist es ja auch die Frage der damaligen Christen: Wie gehen wir damit um, dass Gott sein Kommen ankündigt, aber die Jahre vergehen und es passiert nicht? Ist Gott doch nicht zu uns unterwegs?
Mein Antwortversuch wäre der: Ja, er ist bereits angekommen! Und nein, er ist noch nicht angekommen! Wenn sich die Texte der Offenbarung für die Menschen damals als wirklich relevant erwiesen haben, dann könnten sie uns jetzt vielleicht erzählen, wie Gott bei ihnen ankam damals, wie er ihnen half, durchzuhalten und wie sich manches erfüllte, was sie lasen. Und so ähnlich können wir uns das wahrscheinlich auch erzählen: Wie wir auf Gott warteten und wie er in unserer Gegenwart ankam und immer wieder ankommt.

Und gleichzeitig ist Gott bis heute nicht in der Weise angekommen, dass er die Welt vollständig verwandelt hat. Darauf warten Christen zugegeben bis heute sehr viel länger, als man es im Jahr 95 n.Chr. gedacht hätte und es die Texte der Offenbarung vermuten lassen. In der Theologie nennt man das den ‚eschatologischen Vorbehalt‘. Es ist das ’schon‘ und ’noch nicht‘ des Anbruchs des Reiches Gottes. Schwer zu verstehen, aber es tut schon mal gut, wenigsten einen Begriff für das zu haben, was man nicht versteht. 🙂
Ein letzter Gedanke dazu von Jürgen Moltmann. Er überlegt, ob es mit der biblischen Prophetie vielleicht so ist, dass sie jeder Generation einen Horizont aufspannt, der sie lockt und in die Zukunft ruft, doch dieser Horizont verschiebt sich mit dem Fortschreiten der Geschichte von Generation zu Generation. Die Zukunft, in die Gott uns heute lockt wäre dann nicht genau die gleiche wie die, mit der er die Menschen des 15. Jahrhunderts lockte. Interessanter Denkansatz, finde ich…

3. Ist die Apokalypse und das damit einhergehende Ende der Welt etwas negatives oder, wegen des daraufhin hereinbrechenden Reiches Gottes, etwas, auf das wir uns freuen können?

Ja genau! Die Offenbarung will Vorfreude auf Gottes neue Welt machen. Ich geb zu, die geht in den Ankündigungen der Katastrophen, die vorher zu überstehen sind, leicht unter. Auf jeden Fall ist das Ende der Welt eigentlich ihr Anfang. Wenn die neue Welt Gottes morgen beginnen würde, sollten wir alle vor Vorfreude kaum schlafen können heute Nacht.

Ach ja, wichtig ist dabei nur: Das Ende der Welt beschleunigen, indem man möglichst viel zu ihrem Untergang beiträgt, ist keine biblische Idee. Ich sags nur, weil es tatsächlich Christen gibt, die so ticken. 🙂

Christoph

PS: Ihr könnt der Gruppe ‚Predigt – drüber reden‘ beitreten. Da findet sich zu jeder Predigt Kleingruppenmaterial.