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Drei Fragen, drei Antworten

Im Anschluss an die Predigt vom letzten Sonntag kamen über die Fragenlampe drei Fragen rein. Ich hab versprochen, sie im Laufe der Woche zu beantworten. Hier also mein Versuch:

1. Vers 12: In welchem Sinn hat Jesus Reichtum?

Es geht um diese Worte, mit denen der Himmel das Lamm, also Jesus Christus, feiert: "… ist würdig, die Macht zu bekommen – dazu auch Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob." Vielleicht kann man so sagen: Alles, was Menschen sich wünschen und nicht selten missbrauchen, wird hier dem in die Hände gelegt, der damit heilvoll für alle umgeht. Dazu gehört auch der Reichtum, also die umfassende Fülle an Ressourcen, mit denen man gutes Leben ermöglichen kann. In diesem Sinne sieht man Gottes Reichtum im Artenreichtum der Natur, in der explosiven Schöpferkraft des Lebens, in der Schönheit des Sternenhimmels, an der Nahrungsfülle der Ernte, der Kreativität der Menschen usw. An Geld ist bei "Reichtum" wohl eher nicht so gedacht.

2. Was bedeutet denn dieses "heilig", welche Art von "Qualifikation" ist das?

In einem Satz des Textes werden die an Christus glaubenden Menschen, also die kleine Gruppe der damaligen Kirche, als "Heilige" bezeichnet. Es ist interessant, dass die Jesus-Nachfolger:innen sich damals selbst so genannt haben. Das Wort "Christen" war noch gar nicht verbreitet. Die junge Kirche überlegte also: Welche Bezeichnung ist die richtige für uns? Wer sind wir eigentlich? Was beschreibt uns gut? Und man einigte sich auf: "Heilige". Dieses Wort beschreibt keine moralische Auszeichnung ("Wir sind die wahren Guten") oder gar eine menschliche Vollendung ("Wir sind schon fast im Himmel"), sondern die Zugehörigkeit zu Gott und Christus. Es ist eher sowas wie ein Familienname. "Gott ist unser Vater, Jesus ist unser Bruder. Da gehören wir dazu. Klingt verrückt, aber darum sind wir Heilige."

3. Ist dann das Reich Gott auf Erden, wenn die, die auf Erden herrschen, Anteil am Reich Gottes haben, also gläubig sind (Offb. 5,10)

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Falls sie danach fragt, ob die Welt dann vollständig erlöst ist und die Geschichte zu ihren endgültigen guten Ende kommt, wenn die Mächtigen der Welt zum Glauben an Christus gekommen sind oder wenn es möglichst viele Christen in machtvolle Positionen gebracht haben, dann lautet die Antwort eher: Nein. Für die Offenbarung ist das nicht das, worauf sie hofft. Es wäre am Ende ja die Hoffnung auf einen Gottesstaat (gibt Leute, die sowas wollen), aber die Geschichte zeigt nicht, dass das der Menschheit jemals gut getan hat.

Falls die Frage eher so gemeint ist, dass DANN alles gut geworden ist, wenn die kleinen glaubenden Leute (ihnen wird hier ja das Herrschen auf Erden versprochen) ihren Glauben so richtig ernst nehmen und mit ganzem Herzen nachfolgen, dann lautet die Antwort auch eher: Nein. Die Hoffnung auf die Durchsetzung des Reiches Gottes liegt nie bei uns Menschen, sondern immer bei Gott. Die Perspektive damals war ja auch die einer total winzigen Minderheit, die in der damaligen Welt überhaupt nichts zu sagen hatte, und trotzdem hoffte, dass der, an den sie glauben, alles in der Hand hat.

Es ist glaube ich eher so gemeint: Eines Tages wird Gott die Welt erneuern. Das wird ER machen, aber daran wird er alle beteiligen, die mit ihm auf eine neue Welt hoffen. Und du kannst heute schon, auch wenn du im menschlichen Sinn gar keine Position oder Macht in dieser Welt hast, Verantwortung für dein Umfeld übernehmen. Z.B. indem du für sie betest. Aber auch, indem du ein bisschen so lebst, als wäre das Reich schon da, in dem die Letzten die Ersten sein werden, die Tränen abgewischt, die Unterdrückten aufgerichtet, die Hungernden satt usw…