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Zwei Fragen, zwei Antworten

Im Anschluss an die Predigt vom letzten Sonntag (12. Okt) kamen über die Fragenlampe zwei Fragen rein. Ich hab versprochen, sie im Laufe der Woche zu beantworten. Hier also mein Versuch:

1. Die Offenbarung gibt Visionen wieder. Müssen diese, genau wie andere Texte, interpretiert werden? Oder dürfen sie nicht einfach Geheimnis bleiben, mit einzelnen Lichtblicken?

Nun, ich denke, die Texte selbst wollen interpretiert werden. Denn sie wollen ja eine Botschaft transportieren, sonst wären sie nie an ihre ersten Empfänger versandt worden. Und später haben Menschen empfunden, dass diese Texte es wert sind, in den biblischen Kanon aufgenommen zu werden (was lange Zeit umstritten war), damit künftige Generationen sie lesen und ihre Botschaft hören. Nun ist Kommunikation immer mit Interpretation verbunden. Von daher: Ja, wenn diese Texte uns noch irgendwas zu sagen haben, müssen wir sie interpretieren. Es ist aber gut, dabei bescheiden zu bleiben und sich bewusst zu sein, dass ihr Geheimnis für uns nie vollständig zu entschlüsseln sein wird. Das macht ja auch ihre Faszination aus. Texte, deren Tiefe man vollumfänglich aufgedeckt hat, werden langweilig. Texte aber, die uns komplett unverständlich bleiben, auch.

2. „Wer siegreich ist und standhaft im Glauben…“ Müssten wir uns das Paradies erarbeiten? Vers 7.

Zugegeben, genau diese (scheinbare) Tendenz der Offenbarung macht mir den Zugang zu ihr auch ein bisschen schwer. Es wirkt immer wieder so, das nur die, die aus dem Kampf des Glaubens siegreich hervorgehen, am Ende das ewige Leben bei Gott erlangen und wer aufgibt, irgendwie ewig verloren ist.

Wahrscheinlich würde sich Johannes sehr missverstanden fühlen, würde man ihm vorwerfen, dass er aus dem Geschenk des Glaubens eine menschliche Leistung gemacht hat. Der weitere Verlauf des Buches wird zeigen, dass es Gott bzw. Christus ist, der den entscheidenden Sieg bereits errungen hat. Trotzdem: Das ewige Leben als Lohn für die Siegreichen kommt als Motiv öfter vor und immer fragt man sich: was ist mit den anderen?

Mir hilft ein wenig, mir die angespannte Situation der Entstehungszeit dieser Texte vor Augen zu führen. Die Lage der jungen Kirche, die unter Druck kommt und die daraus resulierenden Appelle an die Christen, durchzuhalten und nicht aufzugeben. Ich versuche mir vorzustellen, wie das wäre, wenn Glauben einen echt hohen Preis hätte und ob es mir dann helfen würde, wenn mir jemand sagt: Aber es lohnt sich! Am Ende wirst du leben!

Und ich frage mich, ob mein Unwohlsein mit diesem Motiv des Ewigen Lebens als Lohn daher kommt, dass mein Glaube schlicht keinen Kampf erfordert … oder fast keinen. Und ob es nicht stimmt, dass wir um gutes gesundes heiles Leben nicht auch kämpfen müssen, weil es uns nicht einfach in den Schoss fällt.

PS: Ihr könnt der Gruppe ‚Predigt – drüber reden‘ beitreten. Da findet sich zu jeder Predigt Kleingruppenmaterial.